6. Februar 2009

Metaprognose


Prognostiziertes Wirtschaftswachstum aufgetragen gegen Prognosedatum. Quelle: ifo, IWF, HWWI, EU-Kommission, DIW, IfW, RWI, OECD.

Zur Zeit überbieten sich die Wirtschaftsforscher mit Negativprognosen. Während vor einem halben Jahr für 2009 noch 1,5% Wachstum in Deutschland vorhergesagt wurde, liegen wir im Moment schon bei -2,5%. Extrapoliert man das Q4 2008, dann wären auch -4,8% möglich.

Wo also geht die Reise hin? Welches Negativwachstum bekommen wir nächstes Jahr? Das ist natürlich genau die Preisfrage und daran versuchen sich viele gute Leute. Das kann ich nicht besser beantworten. Aber vielleicht kann man diesen vereinten Sachverstand nutzen.

Man könnte eine Metaprognose versuchen. Statt die Entwicklung der Wirtschaft aus Wirtschaftsdaten vorherzusagen, versucht man die Entwicklung der Prognosen aus Prognosedaten abzulesen.

Ein Jahr im Vorraus ist die Datenlage offensichtlich ziemlich vage. Aber Ende 2008 können Wirtschaftsinstitute schon aus Q4 auf 2009 extrapolieren. Im Lauf des Jahres 2009 werden die Prognosen immer wieder angepasst. Ein immer größerer Teil des Jahres ist dann schon bekannt. Der Fehler wird immer kleiner. Ende 2009 konvergieren die Prognosen dann zum tatsächlichen Wert. Und das ist der interessante Punkt. Die Prognosen führen exakt zum Zielwert. Leider erst Ende 2009. Aber vielleicht gibt es schon vorher einen Trend.

Trägt man von Prognosen für 2009 das prognostizierte Wirtschaftswachstum gegen das Prognosedatum auf, ergibt sich ein ziemlich dramatischer Verlauf. Das überrascht nicht. Aber ist das ein Trend? oder hat der Verlauf keine Aussagekraft für die zukünftigen Prognosen und damit auch nicht für den tatsächlichen Wert für 2009?

Ich sehe mindestens 5 Szenarien:
  • die aktuellen Prognosen sind zu pessimistisch und werden in den nächsten Monaten wieder korrigiert [1]. Vielleicht sind die Wirtschaftsinstitute in eine kollektive Panik verfallen und alles beruhigt sich wieder. Dann könnten wir glimpflich davonkommen. Dafür müssten die Prognosen aber bald eine scharfe Wende machen. Um zu beurteilen ob das realistisch ist, müsste man untersuchen ob es solche scharfen Tendwenden bei Prognosen schon früher gegeben hat.
  • die Prognosen sind jetzt genau richtig. Das bedeutet, dass sie ab jetzt bis Ende des Jahres konstant bleiben [2]. Das ist immer noch ein scharfer Knick. Warum sollte die Prognose vom Dezember noch falsch gewesen sein, aber die vom Januar perfekt im Ziel liegen? Ein ähnliches Szenario wäre ein kurzer Dip der Prognosen unter -3% und dann ein Rebound auf -2% was zum gleichen Ergebnis führt.
  • die Prognosen stabilisieren sich bald [3]. Dann könnten wir mit -3,5% davon kommen.
  • der Trend setzt sich fort und stablisiert sich nicht mehr in 2009 [4]. Dann drohen -5% oder schlimmer.
  • möglich wäre auch, dass die Prognosen eine langsame Wende zum Besseren machen. Sie könnten erst dem Verlauf von [4] folgen und gegen Jahresende doch noch 1% nach oben gewinnen. Dann könnten wir bei -3% ankommen. Genauso gut geht auch [3] mit einer Wende zum Guten und Ergebnis bei -2%. Andererseits war der Absturz ziemlich krass. Mathematisch: der Absolutwert der Krümmung der Kurve ist groß. Erfahrungsgemäß sind Wendungen zum Negativen in der Wirtschaft agiler, als die zum Positiven. Wenn man mal nicht davon ausgeht, dass es noch größere positive Krümmungen gibt, als die negative, die wir gerade erlebt haben, dann braucht die Wende zur positiven Steigung eher ein Jahr und für 2009 sieht es finster aus.
Die Hoffnung sagt [3]. Aber die Januarwerte deuten eher auf [4] hin. Ich sage mal für 2009: -3,5% +/- 1%. Alles andere nicht ausgeschlossen.

Klar ist, dass man für eine wissenschaftliche Analyse das Verhalten von Prognosen über viele Jahre analysieren müsste. Dann könnte man typische und maximale Krümmungsradien bestimmen und über die Statistik abschätzen wir wahrscheinlich eine Trendumkehr, in diesem Fall sogar die erhoffte zweite Trendumkehr ist.

Ach ja, wenn wir schon in die Kristallkugel schauen: DAX 3.500 :-)

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