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29. Juli 2007

Tech Idole

Es gibt ein paar Leute, die ich wirklich bewundere:

  • Robert X. Cringely wegen seinen unermüdlichen und mutigen Near-Term Vorhersagen und weil er das Gras wachsen hört. Seine Kolumne (jetzt: Blog) (jetzt: nicht mehr online) ist ein Geheimtipp für Leute, die Geld auf Technologie wetten.
  • David Pulver für seine Weitsicht und die umfassenden Prognosen im Transhuman Space Setting. Es zeigt sich, dass er in vielen Dingen ziemlich richtig liegt. Das einzige was man ihm vorwerfen könnte ist, dass er 9/11 nicht vorhergesagt hat. Hätte er Jahr später geschrieben, dann hätte Negative Growth den Mars-Elevator doch zerstört.
  • Douglas C. Schmidt weil dieser Mensch erstens C++ programmiert wie ein Gott und im gleichen Leben auch noch hunderte von Veröffentlichungen schreibt und viele Millionen an Drittmitteln einwirbt. Mehrere Fulltimejobs und trotzdem ein Privatleben. Das längste Resume, dass ich je gesehen habe. So unmöglich für Normalbürger, wie Half-Life 2 in 90 min.
wird fortgesetzt.

6. November 2006

Die Singularität fällt aus

OK, das wird etwas länger, aber es muss mal gesagt werden.

Die Technologiesingularität ist ein Begriff aus der Welt der Technologieprognosen von Technologiefolgenabschätzung bis zu Science Fiction. Die Idee der Technologiesingularität kommt daher, dass es so aussieht, also ob sich Technologie immer schneller entwickelt. Es hat Jahr10tausende gedauert vom Cro-Magnon Mensch zum Ackerbau, Jahrtausende zur Dampfmaschine, Jahrhunderte zu Elektrizität und Verbrennungsmotoren, Jahrzehnte zu Elektronik, aber schon weniger bis zu PC/Telekom/Handy und Computer werden seit 20 Jahren exponentiell schneller, alle 18 Monate um den Faktor 2.

Diese überwältigenden Hinweise... lassen einige Leute vermuten, dass der Trend sich fortsetzt. Die verbreitete Annahme ist, dass IT in KI mündet und Miniaturisierung in Nanotechnologie (Nanoassembler, sog. Dry Nano). Verbindet man Nano und KI kommt ein sich immer schneller weiterentwickelndes Konglomerat heraus, dass irgendwann den Menschen mit seiner beschränkten Wahrnehmungs- und Entwicklungsfähigkeit nicht mehr als Träger der Innovation braucht sondern diesen hinter sich lässt. Für Menschen, sieht das so aus, dass neue Produkte immer schneller auf den Markt kommen (stimmt), die Fähigkeiten der Produkte exponentiell wachsen (stimmt) und sich die technische Umwelt immer schneller verändert. Bis zu einem Zustand der permanenten Umgestaltung getrieben durch Nanoassembler und KI, die die Umwelt und die Lebensbedingungen so schnell umbauen, dass der Mensch es nicht mitbekommt. Irgendwann tritt die Innovationsgeschwindigkeit in die asymptotische Phase. Natürlich geht die Entwicklung für die Akteure (Naniten, KI, Uploads) normal weiter, aber die Menschen sind für die Akteure sozusagen relativistisch verlangsamt.

Aber:
- Allein die Extrapolation des gefühlten Innovationstrends ist kein Beweis.
- Der Trend ist nicht ungebrochen. Definitiv ist die Innovation in der Menschheitsgeschichte nicht streng monoton. Vermutlich nicht einmal monoton.
- Innovation wird von Menschen erzeugt. Die Fähigkeiten der Menschen wachsen mit technischen Mitteln und Lebensdauer, sind aber endlich und bilden eine obere Schranke für die Innovationsgeschwindigkeit.
- Werden Maschinen (Nano/KI) zum Innovationsträger liegt ein Bruch vor, vielleicht sogar ein Phasenübergang, der nicht ohne Weiteres als extrapolierbare Fortsetzung des aktuellen Trends argumentiert werden kann.
- Technologie entwickelt sich nicht von alleine weiter, beschleunigt sich deshalb nicht selbst und wird nicht von alleine beliebig schnell, also nicht singulär.
- Vielleicht ist der Zusammenhang zwischen Zeit und Technologie nicht direkt. Möglich ist auch ein indirekter Zusammenhang über andere Faktoren, der nur wie ein direkter Zusammenhang scheint.

Es gibt zumindest berechtigte Zweifel.

These: technischer Fortschritt ist keine Funktion der Zeit, sondern der Bevölkerung. Genauer gesagt, das erreichbare technologische Niveau (der Tech-Level) einer Zivilisation hängt vom Bruttosozialprodukt und damit bei festem pro Kopf Einkommen von der Bevölkerungszahl ab.

Technologien brauchen eine wirtschaftliche Basis. Das beginnt schon bei einer einfachen Töpferei. Drehscheibe und Brennofen lohnen sich nur, wenn es Verbraucher gibt, die die Wahre abnehmen und damit Anfangsinvestition und Unterhalt finanzieren. Das ist bei RAM-Speicher nicht anders. Aber während sich schon ein Dorf vor 5000 Jahren eine Töpferei leisten konnte, braucht eine GBit Speicherfabrik mehrere Millionen Kunden mit großer Kaufkraft. Technologie scheint immer teurer zu werden bei höherer Leistung. Das gilt für Anfangsinvestition und Betrieb.

Die aktuelle High-Tech Generation benötigt Märkte von mehreren 100 Millionen Menschen in den Industriestaaten, um jeweils einige Firmen mit Produktionsanlagen zu unterhalten. In 10 Jahren werden nur noch sehr wenige Firmen auf Märkten von 1 Milliarde Menschen High-Tech herstellen können. Mittlere Staaten, wie die größeren europäischen Nationen können heute schon nicht mehr alleine alle High-Tech Bereiche besetzen. Die Globalisierung erzeugt Märkte, die größer sind, als die Bevölkerung dieser Staaten. Vermutlich sind nur die USA derzeit dazu in der Lage. High-Tech in 10-20 Jahren wird die dann wohlhabenderen Bevölkerungen Chinas und Indiens brauchen.

Die Erdbevölkerung wächst weiter. Die UNO erwartet eine Sättigung bei rund 10 Mrd. Menschen bis 2050. Geht man davon aus, dass ein immer größerer Anteil der Weltbevölkerung an der Globalisierung teilnimmt, kann man bis 2100 mit 5 Mrd. zahlungskräftigen Kunden in hochentwickelten Ländern rechnen. Das sind 5 mal so viele, wie heute, mit teilweise wesentlich höherem pro Kopf Einkommen. Das Weltbruttosozialprodukt kann innerhalb von 50 Jahren um den Faktor (!) 10-20 steigen, vor allem getragen durch den Eintritt von mehr Verbrauchern. Danach entfällt dieser Faktor und es dominiert der Produktivitätszuwachs. Das Wachstum verlangsamt sich, damit auch der technologische Fortschritt.

Blicken wir zurück, dann gibt es durchaus Phasen der technologischen Stagnation und des Rückschritts. Vergleicht man Bruttosozialprodukte von abgeschlossenen Märkten mit dem jeweiligen Tech-Level, dann gibt es genügend Hinweise, um die These zu stützen. Frühe Märkte waren sehr klein, da Handel durch die Reisegeschwindigkeit beschränkt ist. Die ersten größeren Märkte entstanden mit Stadtstaaten vereinzelt schon vor 5000 Jahren, danach auch schon Flächenstaaten in Ägypten und Asien. Vor ca. 3200 Jahren geht in Europa eine zivilisatorische Blütezeit zu Ende, und es beginnt das erste geschichtliche dunkle Zeitalter für fast 600 Jahre. Verewigt durch Homer symbolisiert der Untergang Trojas einen wirtschaflichen, demographischen und technologischen Niedergang. Erst mit den griechischen Stadtstaaten (Sparta, Korinth, Athen), dem Etruskischen Städtebund (Italien) und Karthago (Nordafrika) verbessert sich mit der wirtschaftlichen Lage auch die Technologie, was sich z.B. an der wachsenden Schifffahrt im Mittelmeer (damals High-Tech) zeigt.

Den nächsten Höhepunkt in Europa bildet das Römische Reich, das sowohl technologisch, als auch quantitativ Leistungen vollbrachte, die nach seinem Ende für 1000 Jahre nicht übertroffen wurden. Gleichzeitig blühten auch Zivilisationen in China und Indien. Während der römischen Kaiserzeit erfanden Chinesen z.B. das Schwarzpulver und Feuerwerksraketen. Der Beginn der römischen Expansion und die Reichseinigung durch die Qin Dynastie in China geht mit einem starken Bevölkerungswachstum einher. Mit dem Niedergang des römischen Reiches begann eine lange Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs, teilweise sogar mit Bevölkerungsrückgang, auf jeden Fall aber Stagnation für 1000 Jahre.

Nach großen technologischen Rückschritten in Europa zwischen den Jahren 400 und 900 wachsen Bevölkerung und Technologie sehr langsam im Hochmittelalter. Die Pest löschte dann bis zu 1/3 der Bevölkerung in Europa aus und verzögert damit vermutlich einen bedeutenden technischen Fortschritt um 200 Jahre. Es bleibt bei graduellen Fortschritten bis ins 15. Jahrhundert. Von 1 Mrd. Menschen um 1800 befinden sich dann schon viele im Dampfmaschinenzeitalter. Die Erdbevölkerung wächst exponentiell, was aber erst Mitte des 20 Jahrhunderts deutlich sichtbar wird. Gleichzeitig beschleunigt sich der technische Fortschritt. Er wurde sicher auch angetrieben durch die zwei technikorientierten Weltkriege, aber hier ist vielleicht Ursache und Wirkung vertauscht. Möglicherweise entstanden die Konflikte durch den Bevölkerungsdruck und die neuen technischen Mittel waren verfügbar durch die große Bevölkerung mit vielen Wissenschaftlern und stark angewachsenem BSP.

Wenn sich die Technik wirklich exponentiell entwickeln würde, dann wäre ein characteristischer Zeitraum momentan eher bei 10, als bei 30 Jahren angekommen. Es ist aber keine beschleunigte Entwicklung zu sehen, vor allem nicht in den letzten 5-10 Jahren. Vielleicht ist die Entwicklung des Tech-Levels tatsächlich schon linear geworden. Vielleicht beginnt sie in 20 Jahren tatsächlich abzuflachen.

Jedenfalls passt die Entwicklung des Tech-Levels im Lauf der Geschichte besser zum BSP der erreichbaren Märkte, als zu einer zeitabhängigen Exponential- oder sogar asymptotischen Funktion.

Nachtrag:
Dem um 1200 wissenschaftlich führende arabischen Raum wird im 13. Jahrhundert ein Teil der wirtschaftlichen Grundlage entzogen als die Mongolen den heutigen Iran und Bagdad erobern. Gleichzeitig wendet sich im Westen das Glück zugunsten der Reconquista und mit Cordobas, Sevillas, Valencias und Aragon geht Spanien weitgehend verloren. Der arabische Raum fragmentiert politisch nach 1000. Vielleicht waren das genug Gründe, für den technologischen Abstieg.

Chinesische Geschichte wird im Westen weitgehend ignoriert. Die Begriffe Altertum und Mittelalter finden fast immer in Europa statt. Aber Ostasien hat wie Europa eine dynamische historische Entwicklung durchgemacht. Dabei hatte China in den vergangenen 2000 Jahren ständig eine größere Bevölkerung als Europa und der Nahe Osten und war weniger zersplittert, selbst wenn es in Einzelreiche zerfallen war. Das Bruttosozialprodukt war bis ins 17. Jahrhundert stets größer, als das Europas. Das sollte sich dann in einem höheren technologischen Niveau oder zumindest in der Möglichkeit für ein höheres Niveau niederschlagen. Und tatsächlich gibt es dafür Hinweise. Buchdruck und Feuerwerksraketen, Kompass waren in China bekannt bevor sie in Europa erfunden wurden. Frühe Großprojekte, wie die Chinesische Mauer, der Kaiserkanal und das Qín Shǐhuángdì Mausoleum zeugen von ingenieurtechnischen und logistischen Meisterleistungen schon vor 2000 Jahren. China ist vermutlich lange Zeit hinter seinem Potential zurückgeblieben und war Europa trotzdem voraus. Unser Eindruck von China ist geprägt durch Chinas schwache Phase der letzen 200 Jahre, als die europäische Technologie (möglicherweise infolge der Aufklärung) China überflügelte (dessen Gesellschaft undurchlässig war). Im 20. Jahrhundert wurde Chinas Potential paralysiert durch politische Fehlentwicklungen, die Millionen auslöschten und Eigeninitiative behinderten. Trotzdem ist China seit vielen Jahrzehnten eine Atommacht und seit einigen Jahren auch Raumfahrtnation. Von den Fesseln des 20. Jahrhunderts befreit beginnt sich Chinas Technologiepotential gerade zu entfalten.

Sicher bestimmt das BSP der verbundenen Märkte nicht automatisch den Tech-Level. Es gibt nur die obere Schranke vor. Neben dem BSP gibt es noch viele andere Faktoren, die den aktuellen Tech-Level bestimmen, wie Offenheit, vertikale Durchlässigkeit, Liberalismus, gesellschaftliche Dynamik, Frauenbild, das Ansehen von wissenschaftlicher Bildung im Vergleich zu theologischer. Vielleicht entspringt die Liste aber auch nur der subjektiven Wahrnehmung eines westlich geprägten Blog-Autors.

13. Oktober 2006

Fraktales Gemuese

Neulich im Alnatura gab es endlich wieder fraktales Gemuese. Selbstaehnlich in 4 Stufen. Da freut sich das Mathematikerinnenherz:

18. August 2006

Eins ist Null

Ein neuer Beitrag zum Thema die schönsten Fehlermeldungen:



1 ist NULL, also 1 = 0, aha.
naja, er rettet sich noch mit der Aussage: "oder kein Objekt", die aber auch gefährlich ist, weil mache ja behaupten "alles ist ein Objekt". Wenn alles ein Objekt ist, ist 1 auch ein Objekt, also doch 1 = 0?

Aha:
1= 1+0+0+0+...
= 1+(1-1)+(1-1)+(1-1)+...
= (1+1)-(1+1)-(1+1)-(1+...
= 2-2-2-2...
= (2-2)-(2-2...
= 0-0...
= 0

19. Juli 2006

Spam-Poesie

Heute morgen ist mir das Herz aufgegangen. Manchmal finden Poeten Worte, die den Leser im Innersten berühren. Eine der schönsten Spam Emails, die ich je bekommen habe:

Wanderzirkus der Eifersucht

Ich denke dass du impulsiv in seiner Manier wieder giltst beruhige
sich und sage obwohl dass irgendwelcher dass einfach grosser einfacher
Anschuldigungen deine Eifersucht die Grenze nicht kennt.

Ich verstehe warum du sie alle noch schirmen Sie seinen alle nicht.
Ich habe schon soviel der Beweise gesammelt,
dass deine Bemerkungen horend ist gesenkt,
dass auch bei dir mit sie etwas auch zu denken war.
Jetzt ich die Unausgesprochenen schon vermeide schicke ich die Fotografie
ab wo sie gesaugt meinem Boss macht!

Also, eben was du mir darauf sagen wirst?

P.S. Niemandem es zeige auf.
Wenn ich von deinem Nachbarn erkenne dass auch du es im Wanderzirkus
umgewandelt hast, ich garantiere die Unannehmlichkeit dir.
In die nachsten Tage schreibe nicht, ich habe in das buro schon
ausgetrunken und ich denke, fur die Stadt zu fahren,
was ich und dir wunsche.

- Ende

Wir planen den Beitrag beim internationalen Poesiewettbewerb IX Certamen Internacional de Poesía Ciudad de Torrevieja einzureichen.

28. November 2005

Kanzlerin Janeway



Gestern im Fernsehen 2 Frauen vor einer grossen Aufgabe. Beide müssen 2 Mannschaften zu einer schmieden. Die eine im Delta Quadranten, die andere in der Tagesschau.

Die eine: "We have no idea of the dangers we're going to face, but one thing is clear, both crews are going to have to work together if we're to survive. That's why Commander Chakotay and I have agreed that this should be one crew to seek out new worlds and to explore space."

Die andere: "Eine große Koalition, die wir jetzt schmieden wollen, bietet die Voraussetzung dafür, diese Aufgaben gemeinsam anzugehen. Und ich glaube, dass wir das vielleicht auch nur gemeinsam schaffen können."

21. November 2005

Social Software

Grade einige Artikel über sogenante "Social Software" gelesen. Der Begriff taucht im Moment ständig auf. Software, die so gelabelt wird ist schon deshal Hype-verdächtig. Der Gründer von Netscape hat einen Teil seines Kapitals in eine Firma gesteckt, die eine Plattform für Social Software herausbegracht hat. Toll. Wenn man dann genau hinschaut ist es eine Plattform mit der man eine Kombination von Flickr, OpenBC, Bookmark Sharing und Foren erstellen kann. Toll.

Social Software ist im Durchschnitt so social, wie Live-Cams live waren in der Frühzeit des Internets. Wir erinnern uns: alle 15 Minuten ein neues JPEG-Bild. Super Live. Dass wir bei der Internet Modellbahn eine echte Live Cam hatten, bei der Live auch live bedeutet, also live im Sinne von live, glaubte keiner. Alle hielten es für ein Movie.

Zurück zur "Social" Software und zwar zur Virtuellen Präsenz, zu Webmobs, oder wie auch immer man es nennen mag. Richtig "social" ist es doch nur mit echten Leuten. Social Web heisst für mich Leute im Web treffen und das geht: LLuna (http://www.lluna.de/). Leute als Avatare auf Webseiten. Leute chatten in Sprechblasen, Avatare bewegen sich. Grüppchen gruppieren sich. Gehen gemeinsam auf andere Seiten, usw. Socializing im Web eben.

LLuna, wenns mal wirklich social sein soll im Web.

Guten Abend.

25. August 2005

Kürzer Spielen

Hier ein schönes Beispiel, wie innovativ und am Puls der Zeit die Chinesen sind. Die Chinesische Regierung hat beschlossen, dass dauerhaftes Onlinespielen schädlich ist. 'Schädlich' beginnt bei 3 Stunden. Nun mag man den Beschluss an sich diskutieren und auch die 3 Stunden (Instanzen aufwiedersehen). Wie die Mündigkeit der Bürger bewertet wird, ist kulturell verschieden und die chinesische Kultur tendiert dabei zu mehr organisiertem Buergerschutz.

Was aber vor allem interessant ist, ist die reale Umsetzung der Entscheidung im Vergleich zur Erwartung. Was erwarte ich von einem Staat, der beschließt, dass ich nur 3 Stunden spielen darf? Klar, ich erwarte, dass der Staat ein Gesetz macht und Spielen nach 3 Stunden verbietet. Betreiber oder User werden mit Strafe bedroht. Das wäre eine typische Umsetzung.

Nicht so bei den Chinesen. Man kann spielen soviel man will, aber nach 3 Stunden werden die Characterstats halbiert. Nach 5 Stunden werden die Stats auf Noob-Niveau gesetzt und spätestens dann will keiner mehr spielen. Ich bin begeistert von der Praxisnähe der Umsetzung. Ganz ohne Strafen und Drohung. Ein moderner Staat, der seine Buerger hier liebevoll schützt.

Quelle: http://www.interfax.cn/showfeature.asp?aid=4913

happy_coding()

15. August 2005

Games Convention 2005

Games Convention 2005 war ein grosser Erfolg. Die Aussteller waren sehr zufrieden. Fuer die Besucher hat die GC schon Kultstatus erreicht und die Leipziger Messegesellschaft lacht sich ins Faeustchen, weil sie der CeBIT den Rang abgelaufen hat. Die CeBIT ist ja mit der CeBIT-Home auf die Nase gefallen. Die klare Ausrichtung auf Games mit Business und wissenschaftlichem Begleitprogramm war ein gelungenes Konzept. Das ist uns natuerlich heute, wo Games mehr Umsatz machen als Video, allen klar und wir wuerden es auch so machen, aber als die GC begonnen hat, war das visionaer.



Wir (bluehands) hatten auf der Games Convention Termine mit ca. 10 Publishern von MMOG (Multiuser Online Games), um unser neues auf LLuna basierendes Produkt vorzustellen. Interesse gross. Konkrete Ausbeute wird die Nachmessezeit zeigen.

LLuna fuer MOG: Player MOG-Charactere als Avatare auf dem Web. In-Game Character kann auf Webseiten rumlaufen und andere Player treffen. Sogar, wenn man nicht mehr so viel Zeit im Spiel hat, kann man den Char noch auf dem Web nutzen und zeigen was man hat. Ein neues Feature fuer die User, ein Anreiz den Account etwas laenger zu behalten und deshalb Geld fuer die Publisher. So haben alle etwas davon.

3. August 2005

Abstandhalter

Mal wieder was aus dem richtigen Leben: Wie jeder Heimwerker weiss, mach man beim Fliesenlegen Abstandhalter zwischen die Fliesen, damit sie sich nicht verschieben oder gar ohne Luecke aneinanderstossen. Da verwendet man typischerweise sowas: Abstandhalter aus Kunststoff.



Was dem Heimwerker recht ist, ist der NASA billig. Als das Space Shuttle gefliest wurde hat man auch Abstandhalter eingefuegt, damit die Kacheln nicht aneinanderstossen und kaputtgehen. Wenn das Shuttle mal oben ist, braucht man sie nicht mehr. Aber manchmal schaut einer der kleinen Frechdachse muter zwischen den Kacheln hervor. Dann muss man ihn eben rausziehen. Das wurde dann auch heute vor Milliarden Fernsehzuschauern live zelebriert.

Ich praesentiere den beruehmtesten Abstandhalter der Welt:


Haette der Schlingel sich widersetzt, dann waere man ihm mit diesem selbstgebastelten Folterinstrument zuleibe gerueckt:


30. Juni 2005

Das Web sind wir

Mario Sixtus hat in Technology Review einen schönen Artikel geschrieben über neue echte Leben im Web: Das Web sind wir. Hier mein offener Brief an Mario Sixtus und alle, die sich für das wahre Leben im Web interessieren:

Mit grossem Interesse habe ich ihren Artikel "Das Web sind wir" in Technology Review gelesen.

Bei diesen Themen glaube ich, dass Sie sich auch fuer virtuelle Praesenz (VP) interessieren. Das passt perfekt zu Ihren Beobachtungen. Wir betreiben seit langem das Jabber Virtual Presence Project, dass sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen auf dem Web sichtbar zu machen. User erscheinen als Avatarfigur auf den Webseiten auf denen sie gerade surfen. User sehen sich gegenseitig. Sie treffen sich auf Webseiten. Sie sind also virtuell praesent auf den Seiten. Dort koennenn sie sich unterhalten durch Chat/Video und bald Voice.

Virtuelle Praesenz passt perfekt zu ihren Aussagen: Sie schreiben "Das Web sind wir" und dass immer mehr als reale Menschen auf dem Web erscheinen im Gegenatz zu erfundenen Identitaeten. Das passt zum Claim des VP Projekts: LLuna - das wahre Leben im Web (LLuna ist der Client Name). LLuna ist Social Software weil sich Leute auf Webseiten treffen. Oft kennen sie sich nicht vorher, aber manchmal trifft man sogar Bekannte. Fast immer trifft man Leute mit gleichen Interessen, weil man sich auf den gleichen Seeiten herumtreibt und sich so oefter trifft. Weblogs sind ideal als Seiten zum Treffen. Die Weblogs sind ja sozusagen die neuen Homepages und Autoren, die dort virtuell praesent sind, koennen dort ihre Leser treffen. NETZ-PARTYS: dazu muss man wenig sagen. Mit Usern, die sich auf Webseiten treffen, kann man richtige Netzparties machen. Eine LLuna-Userin macht bald eine Vernissage fuer ihre Gallerie-Website mit virtueller Praesenz. Sehr interessant, aber noch nicht implementiert, ist die Kombination von Virtueller Praesenz (VP) und Social Networks (SN). SNs koennen Hintergrundinformationen zu den Leuten geben, die man im Web mit VP trifft. Mit VP allein hat man nur einen Nickname und eine animierte Figur. Aber mit SN kann man erfahren ueber welche Ecken man denjenigen kennt, den man da trifft, selbst wenn man keine direkte Beziehung hat. Mit anderen Worten VP ist der ideale Stichwortgeber fuer SN.

Ich zitiere aus Ihrem Artikel: Wer Vorteile aus dem Internet ziehen und dort für sich nutzen will, wo wir alle Sozialversicherungsnummern haben, der muss als echte Person präsent und aktiv sein. Das "Web 2.0" wird ein Ort für echte Menschen sein. Herzlich Willkommen in der Wirklichkeit." - Das spricht mir aus dem Herzen. Mit virtueller Praesenz treffen sie im Web echte Menschen. Das sind zwar auch anonyme Chatter, aber der Trend gehtr eindeutig dazu sich selbst darzustellen und nicht eine Kunstfigur. Willkommen beim wahren Leben im Web.

Falls sie das interessiert, probieren Sie doch mal:
http://community.lluna.de (fuer User)
oder:
http://developer.lluna.de (fuer Entwickler)

21. Mai 2005

Die perfekt symmerische Zeit

Gestern abend war die Uhrzeit absolut symmetrisch mit mehreren Symmetrieachsen: 20.05.2005 20:05. Achsensymmetrisch und rotationssymmetrisch mit einer dreizählichen Achse. Ein denkwürdiges Datum und fast niemand hat es gemerkt (danke DF).



Die Zeit war so symmetrisch, dass der Verdacht naheliegt, dass dieser eine Moment vielleicht sogar der Mittelpunkt der Zeit war. Das würde bedeuten, dass Halbzeit ist und sich das Universum jetzt wieder zusammenzieht. Zum Glück sind es noch ein paar Milliarden Jahre.

_happy_coding_

22. März 2005

Virtueller Raum

Letztes Wochenende hab ich eine neue Form von Buddyliste entdeckt. Man kennt ja ICQ, MSN Messenger usw. Aber ich verwende Teamspeak. Teamspeak ist meine Buddyliste mit Sound. Teamspeak ist eigentlich ein IP-Telefonsystem fuer Gruppen in Computerspielen. Vor allem in Shootern (Counterstrike, Battlefield) koordinieren sich Leute mit Teamspeak. Wie funktioniert das? OK, Programm laeuft, es loggt sich am Teamspeak Server ein. Ich spreche was. Wird komprimiert, zum Server geschickt. Andere sprechen auch. Der Server mischt alles zusammen und schickt die Summe wieder zurueck. Alle hoeren, was alle sagen. Ganz einfach. Im Programmfenster sieht man, wer gerade online ist. Das ist meine Buddyliste. Aber nicht so lahm, wie ICQ, sondern live. Ich schalte Computer an, Teamspeak loggt sich automatisch ein und ich fange an zu sprechen. Meine Freunde hoeren mich. Ich hoere sie. Es ist wie wenn wir alle in einem Raum sitzen. Man laesst es einfach nebenher laufen und sagt was, wenn man was zu sagen hat. Always present, always on.

Sowas brauchen wir fuer LLuna auch. Auf eine Webseite gehen und einfach sprechen. Die, die auf der gleichen Seite sind hoeren es. Virtual Presence at its best.

_happy_coding_

8. Februar 2005

Ich will User

Ich habe ein tolles Stueck Software programmiert. Und praktisch it es auch noch. Das finde nicht nur ich sondern hunderte von Testern. Wenn 80% aller zufaelligen Testuser die Software toll finden, kann das nicht so falsch sein. Komischerweise gibt es aber nur wenige richtige User. Sogar die begeisterten Testuser wundern sich, dass es nur wenige User gibt. Eigentlich sollte man meinen, dass es sich per Mund-zu-Mund Propaganda rumspricht und schnell viele User bekommt. So ist es aber nicht. Nur ab und zu kommt jemand zufaellig auf der Homepage vorbei, macht den Download, installiert, probiert und findet es gut. Und dann ... nichts weiter. Keine Mund-zu-Mund Propaganda, keine Massen von Usern. Es geht natuerlich um LLuna. Was ist falsch?

Ideen bitte an wolf@bluehands.de.

Trotzdem: ich gebe nicht auf. Moralische Unterstuetzung bitte an wolf@bluehands.de.

_happy_coding_

3. Februar 2005

Entspannung

Wenn man angestrengt programmiert braucht man auch ab und zu etwas zur Entspannung. Was bei mir gut gewirkt hat war meine handbetriebene Holz-Klapsmühle. Die brauche ich jetzt nicht mehr, weil ich mich bei World od Warcraft entspanne. Alle, die keine Online-Rollenspiele spielen wollen, können meine alte, aber gut erhaltene Klapsmühle, auf Ebay kaufen

3. Dezember 2004

Neulich auf www.lluna.de

Wolfspelz betreibt Muessiggang und liesst Spiegel Online. Da kommt Kreiz, der Wolfspelz kennt. Sie reden ueber Radeon 9800 usw., gehen dann wieder zusammen auf www.LLuna.de. Dort treffen sie Tine, die Shooter spielt (weiss Wolfspelz, weil er sie vorher schonmal getroffen hat). Wolfspelz stellt Tine und Kreiz vor, weil Kreiz auch ein grosser Shooter-Liebhaber ist. Die beiden reden was Shooter-Spieler halt so reden aus Sicht des Strategie- und Rollenspielers Wolfspelz. Dann gehen sie gemeinsam die Homepages ihrer jeweiligen Clans anschauen.

Toll, wenn die eigene Software Leute mit gleichen Interessen zusammenfuehrt.

(Ja, Muessiggang wird mit ue und ss geschrieben, wenn der Autor Softwarekuenstler ist und eine englishe Tastatur hat. Da liegt das "{" eben naeher, als das "ü")

_happy_coding_

21. Juli 2004

Grosse Softwareprojekte in der Krise

Die Reihe der Hiobsbotschaften reißt nicht ab. Gerade haben wir den Maut-Schock von TollCollect überwunden. Wir wundern uns noch darüber, dass Herkules, ein Projekt mit Standardsoftware überhaupt scheitern kann. Da kommt die Meldung, dass die Finanzämter vielleicht 900 Mio. Euro ausgegeben haben, ohne Ergebnis. Man muss schon fast fragen, ob es noch staatliche Organisationen gibt, die keine IT-Grossruine haben. Schon lange war jedem klar, dass IT teuer ist. Inzwischen wundert man sich nicht mehr wenn sie auch nicht funktioniert. Wie kann man unter diesen Umständen erwarten, dass Firmen noch IT-Projekte vergeben? Die Großprojekte spielen zwar in einer anderen Liga. Aber der Imageschaden trifft auch den IT-Mittelstand.
Hier die Liste der Problemkinder (Problem-Riesenbabys), die mir gerade so einfallen:
- Herkules - Modernisierung der Informationstechnik der Armee (1400 Mio. -> 6000 Mio.)
- TollCollect - LKW Maut
- Inpol - Polizeiinformationssystem (17,4 Mio. -> 115 Mio.)
- BA online - Stellenbörse der Bundesanstalt für Arbeit (65 Mio. -> 165 Mio.)
- FISCUS - Finanzamt (170 Mio. -> 250 und 900 Mio.) gescheitert
was fehlt? da war noch mehr.

Die Gross-IT scheint sich in einer Krise zu befinden. Funktionieren IT-Projekte generell nicht? Sind die, die funktionieren nur Zufallstreffer? Das kann nicht sein, denn es gibt zu viele Projekte, die funktionieren. Es gibt zig-tausend IT-Projekte, davon Hunderte große und man hört nur von denen, die schief gehen. Aber warum gehen sie schief? Bei vielen der Problemkinder hört man von Managementschwächen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das Management immer schuld ist, denn die Alternative ist, dass die Aufgabe mit dem verhandelten Budget unlösbar war. Das wäre grob fahrlässig auf der einen und betrügerisch auf der anderen Seite. Das wollen wir nicht im allgemeinen annehmen. Also bleibt eine dilettantische Durchführung. Dafür ist das Management verantwortlich. Selbst wenn das Management nicht direkt schuld ist, sondern die ausführenden Hände, so ist das Management doch verantwortlich und muss die ausführenden Hände wahlweise antreiben, motivieren oder austauschen. In Einzelfällen mag das Management wirklich sub-optimal gewesen sein. Man hört ja so manches und wundert sich, wie eine tausendfach vorgenommene Anpassung einer Standardsoftware (Herkules) nicht funktionieren kann. Wie kann die Einführung einer Standardsoftware überhaupt so viel Anpassung erfordern? Wo bleibt der Standard? Oder wie kann man rechtfertigen, Sicherheitsfunktionen bei TollCollect nachzureichen? In einer Welt in der sich sofort tausend Geier auf Sicherheitslücken stürzen, ist Sicherheit so wichtig für das Funktionieren, wie die Funktion selbst.

Trotzdem glaube ich nicht, dass schwaches Management der Grund des Übels ist. Hier kommt die These: Das Managementparadigma ist falsch. IT wird gemanagt wie industrielle Massenproduktion. Bei großen Projekten wird das Arbeitspensum in tausend kleine Stücke zerlegt, die von Programmierern nur noch eingetippt werden müssen. Die Programmierer werden auch Kodierer genannt, weil sie nur noch vordefinierte Funktionen eintippen. Sie müssen vor allem billig sein. Deshalb ist das vorherrschende Paradigma, dass man sie in Billiglohnländern beschäftigt. Wie ein Kollege von mir schon lange kritisiert, gilt anscheinend der Leitspruch: Programmierer ist man nicht, Programmierer hält man sich.

Und das ist falsch. Es gibt Programmierer, die wirklich programmieren. Programmierer, die allein oder mit wenigen Software schaffen, die viele Menschen benutzen. Diese Programmierer wissen, dass Programmieren eine Kunst ist. Programmieren ist eine komplexe Tätigkeit in der die Wahrnehmung und Verarbeitung vernetzten Wissens eine wesentliche Rolle spielt. Richtige Programmierer müssen Code-Künstler (Code-Artists) sein. Programmieren/Kodieren ist nicht analog zur Fliessbandarbeit bei BMW. Sogar die Autohersteller erkennen, dass die Individuen wichtig sind. Lean-Production, kleine Teams, flache Hierarchie, individuelle Kreativität und gute Ausbildung werden als wichtig erkannt. Noch wichtiger sind diese Fähigkeiten beim Softwaredesign. Denn Softwareproduktion ist Design bis ins kleinste Detail. Es gibt keine geplanten Vorgänge, die immer gleich ablaufen, keine Massenproduktion. Software wird auch ganz unten nicht produziert, sondern entworfen und designt. Je weiter nach oben man kommt und je größer das Projekt wird desto mehr wird das Gesamtdesign zur Kunst, zum Orchester. Nur wenige beherrschen die Orchestrierung des Ganzen. Aber sogar die ausführenden Hände müssen Künstler sein. Jeder für sich. Denn wie in einem Orchester kann sich ein schwaches Glied auf das Gesamte auswirken. Die Analogie zur Massenproduktion ist falsch. Sie muss raus aus den Köpfen der nicht programmierenden Manager und derer, die sie ausbilden. Wenn schon eine Analogie sein muss, dann zum Orchester oder zum Entwicklungsprozess beim Automobil. Die Produktion in der Massenfertigung entspricht gerade noch dem Kopieren der fertigen CD und der Verpackung. Aber Softwareproduktion ist Softwaredesign, ist Kunst. Dafür werden Künstler gebraucht, bis ins letzte Glied, wenn möglich. Die Erfahrung zeigt, dass ein Softwarekünstler mehr und besseren Code schreibt als 4 Kodierer. Die 4 Kodierer lohnen sich nicht, nicht einmal, wenn sie in Indien sitzen.

Liebe nichtprogrammierende Menschheit: Wenn Ihr funktionierende IT-Projekte wollt, dann beschäftigt richtige Programmierer mit Weitsicht, Überblick und Liebe zum Detail. Glaubt nicht an das Märchen vom gemanagten Kodierer. Beschäftigt erfahrene Softwarekünstler und wir versprechen euch funktionierende Projekte.

_happy coding_