4. November 2012

Die 11 besten Science Fiction

...die ich gelesen habe:
Ich habe eine Schwäche für Imperien und die Föderation, Historie und Archäologie, Hard Science, große Zahlen, Ausserirdische ohne spitze Ohren oder Noppen auf der Nase, Agenten und Verschwörungstheorien, Zeitreisen ohne Paradoxe, Cyberpunk, Laser Cluster, Nano, KI und manchmal Monarchie, Ehre, Pflicht, Helden. Ich bin immer für den Jungen (die junge Frau) vom Lande, der (die) mit Hilfe von Outlaws die Prinzessin (den Prinzen) befreit und das Empire rettet.

Die Liste der 11 "Besten" bildet genau das ab.

Die Legende von Christopher Sim / A Talent For War (Jack McDevitt)
Ich mag die Kombination von Archäologie und Zukunft. Rätsel und überraschende Wendungen. Nichts ist so wie die offizielle Geschichtsschreibung (der Zukunft) behauptet. Die anderen Romane über Alex Benedict, Antiquitätenhändler im 12. Jahrtausend, sind genauso gut. Trotz ferner Zukunft nicht techniklastig. "Epilogue: He read the inscription. Jerome Courtney died 40 years _after_ the war. Tears filled his eyes, and he went down on one knee". Sehr ergreifend (wenn man es gelesen hat). Emotion in Slow Motion nach 300 kurzweiligen Seiten. 
Die Stimme des Wirbelwinds / Voice of the Whirlwind (Walter Jon Williams)
Megacorps, Aliens, KI, Kloning, orbitale Mächte. Ein Ex-Agent wacht ohne Erinnerung auf und rettet am Ende, nach viel hin und her, die Menschheit vor einer Verschwörung. Klingt platt, ist aber eine gute Story im klassischen Cyberpunk Szenario, komplett mit Daumennagel-Displays und Video T-Shirts. Walter Jon Williams versteht was von Technik und IT, im Gegensatz zu William Gibson (Neuromancer).
Der verschollene Computer / The Cosmic Computer (H. Beam Piper)
Aufstieg und Fall von Zivilisationen bewegen mich immer. Auf einem Randplaneten der Föderation: Jahrzehnte nach dem Sezessionskrieg entdecken Schatzsucher ein Geheimnis, das die Föderation zu Fall bringen kann. 
Die Ehre der Königin / The Honor of the Queen (David Weber)
Harte Military SF: Nicht wirklich pazifistisch korrekt, aber so ist die "Realität" eben manchmal. Politische Intrigen, High-Tech Marines und religiöse Fanatiker. Ein friedliches Königreich sucht Verbündete gegen einen übermächtigen Gegner und die lokalen Einsatzkräfte müssen den höchsten Einsatz bringen, um einen ganzen Planeten zu retten. Action pur. Point Defense Laser Cluster, Missile Launcher und Gamma Ray Laser garantiert.
Die Sphären / Matter (Iain M. Banks)
Hier aufgeführt als Vertreter der Kultur-Romane. Das hätte auch "Bedenke Phlebas" oder "Excession" sein können. Eines der am weitesten gespannten großartigsten Zukunftsszenarien. Mit allem was in der Science Fiction gut und teuer ist: Nano, Effektoren, hyperintelligente KI mit komischen Namen ("Not Invented Here"), uralte Zivilisationen, gigantische Raumschiffe, Formenergie, Displacement, Antimaterie, Trillionen Individuen menschlicher und anderer Bevölkerung auf gewaltigen Orbitalen, Androiden, Schiffsavatare, Mind-State-Backups. Mit High-Tech neben primitiven Planeten, wo man sich eigentlich nicht einmischen darf. Manche machen es aber doch, wie z.B. der euphemistisch bezeichnete Dienst für "Besondere Umstände" der "Kontakt" Sektion der "Kultur". Die Prinzessin eines primitiven Planeten, die in der Kultur als Kontakt-Agentin ausgebildet wurde, versucht die Milliarden Bewohner ihrer (künstlichen) Heimatwelt vor einer uralten Gefahr zu retten. Vorher muss ihr Bruder sie aber erst finden. Dafür reist er weit über seine eigenen Welt hinaus durch die "Kultur". Hat Längen, aber dafür ein dramatisches Ende. Eine Pflichtlektüre, wegen des phantastischen Szenarios. Da sehen andere Far-Future Settings echt alt aus.
Transhuman Space (David Pulver et al.)
Near Future Hard Science: Die Welt am Beginn des 22. Jahrhunderts. Kein Roman, sondern ein Rollenspiel-Setting mit dichten Fakten und kurzen Story-Fragmenten. Sehr realistisch extrapolierte Geopolitik mit 8 Großmächten, Gengineering, Memetik, Rogue AI, Mars Triaden, Fusion-Drives, High-Frontier und Broken Dreams. Wenn man David Pulver etwas vorwerfen will, dann, dass er ein Jahr vor 9/11 geschrieben hat, denn sonst hätten die Negative Growth Terrorristen den Mars Elevator wohl mit einer Nuklearwaffe doch zerstört.
Das Erdenbuch von Sturmtor / The Earth Book of Stormgate (Poul Anderson)
Kurze und längere Geschichten der Polesotechnischen Liga. Die Abenteuer unabhängiger Sternenhändler wie Nicholas van Rijn. Rätsel, Abenteuer und oft überraschende Lösungen. Erzählt aus der Sicht von Hloch vom Sturmtor Clan des fliegenden Volkes der Ythri. Im "Erdenbuch" findet man auch die Vorgeschichte der Agentenromane mit Dominic Flandry, die einige hundert Jahre später zur Zeit des Imperiums spielen.
Schismatrix / Schismatrix (Bruce Sterling)
Ein paar Jahrhunderte durch die fragmentierte Zukunft der Menschheit im Sonnensystem. Unterhaltsame Story. Der interplanetare Teil der Menschheit entwickelt sich in verschiedene Richtungen, trägt Konflikte offen und verdeckt aus während die Erde eine öko(nom|log)ische Katastrophe erfährt, was den raumfahrenden Teil nicht wirklich interessiert. Ein krazzes Zukunftsbild. Sehr bunt. Alternativ: Diamond Age, weil Neal Stephenson auf jeden Fall hier erwähnt werden muss.
Der Splitter im Auge Gottes / The Mote in God's Eye (Larry Niven und Jerry Pournelle)
Ausserirdische können auch mal ganz anders. Andere Intelligenz, andere Motive, andere Zivilisation. Ein fremdartiges Sonnensystem mit dem Bruttosozialprodukt des gesamten Empires der Menschen, das selbst gerade geschwächt aus einem Bürgerkrieg kommt. Die Expeditionsflotte muss herausfinden ob sie einer Chance oder einer Bedrohung gegenübersteht. Fast trifft man die falsche Entscheidung. Wer Larry Niven sagt, muss auch Ringwelt sagen. Ringwelt selbst ist ok, aber die unzähligen Geschichten aus dem Ringwelt-Universum Franchise sind unvergleichlich. Viele sind sehr sehr gut, aber die meisten eher Kurzgeschichten, deshalb hier nicht vertreten. Wenn mal Zeit ist für 20 k Seiten, dann Ringwelt-Universum. 
Gottes Maschinen / The Engines of God (Jack McDevitt)
Wieder Archäologie und Geheimnisse. Aber es gibt leider nicht so viele Romane ohne Gewalt und Krieg. Deshalb darf Jack McDevitt hier zweimal. Atlantis untergegangen, Sodom und Gomorra durch "Gottes Zorn" ausgelöscht. Das war vor langer Zeit. Interstellare Forschungen zeigen, dass auch auf anderen Planeten die Zivilisation regelmäßig untergegangen wird. "Irgendetwas im Zentrum der Galaxie mag anscheinend keine Mauern".
Sternenkrieger / Starship Troopers (Robert A Heinlein)
Durch den Kinofilm komplett verzerrt. Eigentlich eine klassische Hero's Journey: Johnny geht aus Liebe und Dummheit zum Militärdienst. Nach der "härtesten Ausbildung" unter dem "besten Platoon Sergeant" stolpert er durch die Einsätze, unsicher, aber doch irgendwie gut und auf jeden Fall kurzweilig. Inzwischen ist nun doch offiziell Krieg gegen die Insektenvölker und man kommt nicht mehr aus dem Militärdienst raus, ups. Also weiterstolpern, verlieben, dann Offiziersanwärter und schließlich eine Schlüsselrolle bei einer entscheidenden Kommandoaktion. "Jedes Jahr gewinnen wir ein bisschen mehr". Heinlein hat die sog. Powered Battle Armor erfunden (siehe Avatar und Matrix), genial für die damalige Zeit und in der technischen Beschreibung immer noch aktuell. Vielleicht ist er auch der Erfinder des Boot-Camps als Stilmittel.
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